Angriff auf den Fanladen - gemeint sind wir alle! 
Stellungnahme zum 17.11.2006

 

Am Freitag, 17. November, kam es zu einem in dieser Dimension nicht vorher da gewesenen Angriff auf den von USP organisierten Marsch und Besucher des Fanladens. Des Weiteren wurde die Unantastbarkeit der Institution Fanladen massiv mit Füßen getreten. Um eine genaue Übersicht zum Ablauf des Abends zu geben, wollen wir nachfolgend das Ganze chronologisch auflisten um die Tragweite der Vorfälle aufzuzeigen:

Um eine Eskalation mit den zahlreich anwesenden und schon vor dem Spiel negativ aufgefallenen Gästefans sowie der Polizei zu vermeiden, blieb Ultrà Sankt Pauli nach dem Spiel noch eine dreiviertel Stunde länger am Stadion. Somit sollte gewährleistet sein, dass die misslungene Taktik der Polizei aus den letzten Wochen nicht erneut dazu führt, dass Heim- und Gästefans auf der Budapester Straße aufeinander treffen und es zu Eskalationen zwischen den verschiedenen Fangruppen kommt. Als sich der Marsch mit großer zeitlicher Verzögerung in Bewegung setzte, waren sämtliche Erfurter schon auf dem Kiez oder in den S- und U-Bahnen bzw. in ihren Bussen. Dies konnte aus verschiedensten Gesprächen der Polizeibeamten untereinander entnommen werden.

Nichts desto trotz wurde die Budapester Straße von zwei transportablen Flutlichtmasten erhellt, an beiden Seiten standen Wasserwerfer und von Beginn an wurde die ca. 300 Personen große Gruppe von einem zweireihigen, doppelseitigen Spalier begleitet.

An der Kreuzung Detlef-Bremer- und Clemens-Schultz-Straße, direkt vor der Kneipe „Café Miller“, gab es eine Streitigkeit zwischen herumstehenden Personen und einem Autofahrer, welcher wild in die Menge fuhr, immer wieder vor- und zurücksetzte und damit in Kauf nahm, Anwesende zu verletzen. Einer der Herumstehenden soll dort die Seitenscheibe des Wagens eingeschlagen haben - zu diesem Zeitpunkt befand sich die Spitze des Marsches jedoch noch an der Einmündung Budapester Str./ Clemens-Schultz-Str., also etwa 50 Meter vom „Café Miller“ entfernt. An der betreffenden Kreuzung angekommen, entstand kurzzeitig Verwirrung ob eines eventuellen Angriffes von Erfurtern, da die Polizei den Marsch in zwei Teile spaltete und bereits hier die Teilnehmer massiv bedrängte und schlug. Der deeskalierenden Einwirkung eines Fanladenmitarbeiters und verschiedenen USPlern ist es zu verdanken, dass der Marsch sich nicht provozieren ließ und seinen gewohnten Weg durch die Annenstraße fortsetzten konnte. Bereits hier konnten Gespräche zwischen verschiedenen Polizeieinheiten mitgehört werden, welche auf absolute Unkenntnis der Örtlichkeiten schließen ließ. Offensichtlich wussten einige Polizisten weder wen sie dort begleiteten, noch wo sie waren ("Ist das der Hans Albers Platz?"), oder wohin die Reise gehen sollte.

Höhe Hein-Hoyer-/ Annenstraße reihte sich eine weitere Polizeieinheit vor den Marsch ein und bewegte sich im Laufschritt die Brigittenstraße hoch. Kurz vor dem Marschende zählten die ersten Reihen lachend von zehn herunter und liefen die letzten Meter am Paulinenplatz vorbei bis zum Parkplatz vor dem Fanladen. Dieses „Ritual“ wurde von USP schon häufiger benützt, ohne dass es hierbei zu Zwischenfällen kam. Am Freitag nahm eben jene Einheit dies zum Anlass von ihrem Standort auf Höhe des Kinos B5 auf den Fanladeneingang zuzurennen und unter Einsatz ihrer Schlagstöcke wahllos auf alle einzuschlagen, die in ihrer Reichweite waren. Obwohl viele der Betroffenen die Hände sichtbar über ihre Köpfe hoben, wurde weiterhin auf die Leute eingeprügelt. Nachrückende Personen aus dem Fanladen wurden ebenfalls attackiert, sowohl durch Schlagstöcke als auch durch Pfefferspray. Nach minutenlangen Auseinandersetzungen, wobei es vereinzelt zu Flaschenwürfen aus dem Pulk kam, zog sich die betreffende Einheit Richtung Gilbertstr. zurück. Dieser Einsatz hatte zahlreiche Verletzungen zur Folge: Ein Sankt Paulianer erlitt eine Schädelprellung, verlor für mehrere Stunden seinen Gleichgewichtssinn und konnte auf einem Ohr nicht hören. Unzählige Personen hatten mit den Folgen des Pfeffersprays zu kämpfen, selbst ein Vater mit seinem sechsjährigen Sohn auf dem Rücken ist geschlagen worden.

In der nächsten dreiviertel Stunde sammelten sich nun Polizeieinheiten in den umliegenden Straßen. Aufmerksame Beobachter hatten das Gefühl, dass der Fanladen gekesselt werden soll, da die Polizei Straßen absperrte. Das Ziel sollte wohl eine Personenkontrolle in größerem Stil sein.

Die Einheit der Polizei, welche den Schlagstockeinsatz zuvor begann, wartete immer noch in der Bleicherstraße, also nur wenige Meter vom Fanprojekt entfernt. Um ca. 23 Uhr, das Spiel und der Vorfall waren schon fast 2 Stunden vorbei, wurde von der Polizei tatsächlich der Fanladen gekesselt, und es gab die Ankündigung den Fanladen zu betreten um eine Person wegen Beamtenbeleidigung festzunehmen.

Hatte die Polizei an diesem Abend bereits mehrmals das Maß absolut überschritten, drang sie nun auch noch in die Räume eines sozialpädagogischen Projekts ein, welches seine Unantastbarkeit zu bewahren hat, um bestmögliche Arbeit leisten zu können. Circa 10-15 uniformierte Polizisten betraten den Fanladen, nahmen dort von allen Anwesenden die Personalien auf und fotografierten sie. Davon betroffen waren nicht nur diverse Sankt Paulianer von außerhalb und Erfurter Fans, sondern auch ein Mitarbeiter des Fanladens, sowie eine Person aus dem Vorstand von Jugend und Sport e.V., dem Trägerverein des Fanladens. Zudem trat die Polizeieinheit, die den Marsch attackiert hatte, erneut in Erscheinung und betrat ihrerseits den Fanladen, um dort den Keller noch einmal zu durchsuchen. Auch hier blieb die Suche, nach wem oder was auch immer, erfolglos.

Während dieser absolute Skandal im Fanladen vonstatten ging, spielte sich in den umliegenden Straßen ein weiterer ab. Über den Zeitraum einer halben Stunde machten Polizeieinheiten in Autos und zu Fuß dort Jagd auf einzelne Sankt Paulianer auf dem Nachhauseweg. Hierbei wurde in mindestens einem Fall ein Jugendlicher in ein Auto gezwungen und ihm dort mehrmals mit Schlägen und Festnahme gedroht, sobald er sich bewege. Eine Person wurde mit der Androhung von der Schusswaffe Gebrauch zu machen zum Stehen bleiben aufgefordert, an anderen Stellen jagten Polizisten Sankt Paulianer mit offener Autotür durch das Viertel.

Dieser Vorfall reiht sich in die jüngere Geschichte ein. So wurden einem jungen Sankt Paulianer nach dem Osnabrück-Spiel durch einen Polizeibeamten mit protektorenverstärktem Handschuh das Jochbein und der Kiefer gebrochen, sowie 4 Zähne ausgeschlagen.

Nicht nur das unverhältnismäßig gewalttätige Auftreten der Polizei ist zu verurteilen, insbesondere muss die Taktik der Einsatzleitung, die Taktik des Herrn Polizeioberrat Matthias Tresp, hinterfragt werden. Eingesetzte Beamte sind uninformiert über den Weg und das Ziel des Marsches, dessen Teilnehmer werden durch ein martialisches Aufgebot an Einsatzkräften und schwerem Gerät kriminalisiert.

Das 16 Jahre alte Fanprojekt – der Fanladen St. Pauli - wird in seiner sozialpädagogischen Arbeit behindert, indem man die Räumlichkeiten erstürmt und somit der gesamten Fanszene einen geschützten Rückzugsraum nimmt. Ebenfalls muss die Arbeit der zivilgekleideten Szenekundigen Beamten hinterfragt werden. Ihre angebliche Szenekundigkeit hätten sie deeskalierend einsetzen können und müssen, um zu klären, dass der Fanladen kein Angriffsziel für die ankommenden Sankt Paulianer darstellt, sondern das Ziel ihres Marsches ist.

Auch nach dem Magdeburgspiel wird es wieder einen Marsch gemeinsam mit den Stadionverbotlern vom Stadion zum Fanladen geben, wie nach jedem Heimspiel seit Sommer 2004. Er startet kurz hinter dem AFM-Container in Höhe des Telekomgebäudes.
Am Marsch zum Fanladen nehmen erfreulicherweise nicht mehr nur USPlerInnen teil, sondern seit geraumer Zeit auch viele andere Fangruppen und Einzelpersonen. Ein weiteres Ansteigen der Teilnehmerzahl, insbesondere nach dem Magdeburgspiel, wünschen und erhoffen wir uns nun von der Sankt Pauli Fanszene. Wir werden uns, wie bereits die letzten 2 Heimspiele, deutlich später in Bewegung setzten, um eine Konfrontation mit den Gästefans zu vermeiden. Wir werden geschlossen auf der Straße gehen und laut unsere Solidarität mit dem Fanladen kundtun um zu zeigen, dass wir einen Angriff auf unser Fanprojekt nicht akzeptieren.
Lasst uns zeigen, dass nicht wir es sind, die beständig die Eskalationsschraube anziehen.
Der Marsch ist friedlich, Provokationen seitens der Polizei werden keine Beachtung finden.
Beweisen wir, dass Sankt Pauli auf Repressionen und Polizeigewalt mit einer viel stärkeren Waffe antwortet: mit braun- weißem Zusammenhalt.

Freiheit für die Fans! Der Fanladen bleibt unantastbar! Gegen Polizeigewalt und willkürliche Repression!


27. November 2006

Ultrà Sankt Pauli
Abteilung Fördernde Mitglieder
BallKult e.V.
Blödes Volk
FC42
Skinheads St. Pauli
Südzecken
Utrecht Pöbeln Saufen
Arschrock Jugend St. Pauli
FG Intergalactic
Blunties
West Brigade
Carpe Diem
www.stpauli-forum.de
Alte Knochen
FC Kopfschuss
St. Pauli 1. Alte Herren
Enfant Terribles
Braun weiße Mongos
PunkTown
Scenario Freak
Hotzenplotz Crew
Bolzinferno Sankt Pauli
Wilder Westen
www.kiezkicker.de
Crazy Pauli Supporter
Millerntoristen
Breite Masse
Peter, Pauli & Mary
Frauenfanclub Problemzone
Frauenfanclub Milchschnitten
SURFITS **skapunkdeluxe ut Elmshorn**
Ast(r)a Luego
Übersteiger Fanzine
Duo Wohltorf
FC Sankt Pauli Fanclub "RILBFHPA"
SG Rotation Prenzlauer Berg Berlin
Roter Stern Altenburg
de Likedeelers
Fanclub Olympisches Feuer
Fanclub Hafenklang
PARAMATICS
aylasattic.wordpress.com
Pendler St.Pauli
Schleipiraten Kappeln
Millerntor Piraten Havelland
Bunkerkurve Zeckenpack
Freibeuter-NRW 2006
www.deichkicker.de
Altes Lager Pauli
www.mkorsakov.de
Fanclub "G.A.S."
Internetfanclub Netpirates
Sprecherrat der eingetragenen Fanclubs des FC St. Pauli
Chaoticker St. Pauli
www.stpauli.foros.de
Die Lächerlichen
Basis St. Pauli e.V.
Juventus Senile San Paolo - Fanclub der weisen Ultras
Vollmond Altona
Guido Schröter (Comiczeichner)
Arrogante Arschlöcher
Pro Fans Sankt Pauli
Barmbek Basch
Mettbhoiss
WKA Trullerbü
Nachgetreten
Simulanten Sankt Pauli
Kranken-Franken
Ultras Neukoelln
Good ol´Boys Elmshorn
St. Pauli Syndikat
No tengo Idea
Wer hat die Fahne?
Sachsen Leipzig C.S.C.
Sankt Pauli Redside
Filmstadtinferno 99 Ultras Babelsberg
Supporters Babelsberg
Fanclub Viva St. Pauli
Brigade Zero
St. Pauli Fan-Club Astra-Style Bochum
Strafraumpogo-Fanzine


Solltet auch Ihr die Stellungnahme unterstützen wollen, schreibt einfach an: kontakt@ultra-stpauli.de !

 


 

Stellungnahme vom Fanladen zu den Vorfällen am 17.11. 

 

Wir sind erschüttert und entsetzt über den Einsatz der Polizei im und am Fanladen am Freitag nach dem Erfurtspiel.

Wir haben mit unserem Vorstand und der Geschäftsführung des Verein Jugend und Sport e.V. einen gemeinsamen Text entworfen, um der steigenden Repressions-Spirale und verhärteter Fronten entgegen zu treten. Diesen haben wir der Polizei-Einsatzleitung und der Ebene darüber zugesandt mit der Bitte um Änderung in der Polizeitaktik. Daraufhin kam keine Reaktion.

Deshalb veröffentlichen wir diese Stellungnahme jetzt hier und hoffen auf eine öffentliche Reaktion und größeren Druck in Richtung der Verantwortlichen für die Polizei-Einsätze der letzten Monate:

Zur Verhältnismäßigkeit der Einsätze und der Wertschätzung langjährig etablierter Fanarbeit beim FC St. Pauli durch die Hamburger Polizei

Stellungnahme des Fanladen St. Pauli, des Fanprojekts des FC St. Pauli, zu den Vorfällen nach dem Heimspiel des FC St. Pauli gegen Rot-Weiß Erfurt am Freitag, den 17.11.2006

Am Freitag, den 17.11.2006, kam es nach dem Heimspiel des FC St. Pauli gegen Rot-Weiß Erfurt im Rahmen des traditionellen Marsches der Fangruppierung Ultrà Sankt Pauli vom Stadion zum Fanladen St. Pauli in der Brigittenstraße in dessen unmittelbarer Nähe zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei.
Im Zuge des polizeilichen Einsatzes wurde massiv mit Schlagstöcken und Pfefferspray sowohl gegen die TeilnehmerInnen des Marsches als auch gegen Unbeteiligte und vermittelnde Fanprojekt-Mitarbeiterinnen vorgegangen. Ebenso wurden Fans nach eigenen Angaben verschiedentlich durch Beamte beleidigt und in teils drastischer Art und Weise verbal bedroht.
Etwa eine Stunde später kamen circa 15-20 uniformierte Beamte in Schutzausrüstung in den Fanladen, um von den noch etwa 10 anwesenden Personen (inkl. der Fanladen-MitarbeiterInnen) die Personalien und (teilweise auch von den Fanladen-MitarbeiterInnen) Fotos aufzunehmen. Währenddessen hatten circa 50 Beamte das Gelände um den Fanladen abgesperrt und jeglichen Durchgang verweigert. Die ursprünglich durch den Leiter der Maßnahme im Fanladen geäußerte Begründung für das Vorgehen lautete auf Strafverfolgung des Tatbestands Beleidigung, was zu einem späteren Zeitpunkt durch den Einsatzleiter um die Tatvorwürfe des schweren Landfriedensbruchs und versuchter schwerer Körperverletzung erweitert wurde.

Selbstverständlich und als immanenter Teil unseres professionellen Auftrags als kritisch-parteiliche VertreterInnen von Faninteressen distanzieren wir uns deutlich von jeglichen gewalttätigen Handlungen von Seiten der FußballanhängerInnen, wie Angriffe, bspw. in Form von Flaschenwürfen auf Polizeibeamte. Solches Verhalten wird von uns weder akzeptiert noch geduldet, und es liegt uns fern, Formen von Gewalt zu verharmlosen.

Jedoch lassen uns sowohl alle Berichte und Eindrücke, die wir von den Ereignissen und deren Entwicklung selbst gewinnen konnten, als auch die Schilderungen von TeilnehmerInnen des Marsches – St.-Pauli-Fans jeglicher Couleur und jeglichen Alters – sowie von unbeteiligten AugenzeugInnen und BesucherInnen des Fanladens übereinstimmend zu einem Schluss kommen, der uns veranlasst, die Verhältnismäßigkeit des polizeilichen Vorgehens an diesem Abend in seiner Massivität deutlich infrage zu stellen.

Bedauerlicherweise ist dies nicht zum ersten Mal geschehen. Die am vergangenen Freitag erreichte Eskalationsstufe steht aus unserer Sicht vielmehr für eine neue Qualität in einer ordnungspolitischen Spirale repressiver Maßnahmen gegenüber zumeist jugendlichen Fußballfans, die sich seit geraumer Zeit in Hamburg beobachten lässt.

Kurzfristigen, ordnungspolitischen Interventions-Strategien scheint derzeit der Vorzug gegeben zu werden sowohl gegenüber deeskalierenden polizeilichen Handlungsalternativen als auch gegenüber langfristig und auf Nachhaltigkeit angelegten, sozialpräventiven Herangehensweisen der Fanarbeit. Dies bestätigt sich in drastischer Form anhand der Vorgehensweise im Zuge des Einsatzes in den Räumlichkeiten des Fanladens und der dort vorgenommenen Personalienfeststellungen, wodurch in besorgniserregender Art und Weise ein geschützter Raum eines anerkannten freien Trägers der Jugendhilfe durch polizeiliche Intervention missachtet wurde.

Diesem Schritt geht die Entwicklung voraus, innerhalb derer der verantwortliche Polizei-Einsatzleiter uns mehrfach das Vertrauen in unsere Arbeit abgesprochen sowie in Sicherheitsbesprechungen zu den Heimspielen des FC St. Pauli die Unmöglichkeit einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Fanladen St. Pauli zum Ausdruck gebracht hat. Dies geschah insbesondere aufgrund unserer Weigerung, vertrauliche Informationen aus der Fanszene an die Polizei weiterzugeben.

Die Arbeit eines Fanprojekts gemäß dem „Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS)“, der Arbeitsgrundlage aller sozialpädagogischen Fanprojekte in Deutschland zusammen mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz SGB VIII, basiert auf der Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zu den Fans.

Schon allein angesichts des sehr negativ belasteten Verhältnisses zwischen Fans und polizeilichen Organen im modernen Fußball kann und darf Fanarbeit nur mehr nach beiden Seiten vermittelnd tätig sein, aber keinesfalls zum verlängerten Arm ordnungspolitischer Instanzen werden! Würden FanarbeiterInnen bspw. personenbezogene oder andere vertrauliche Daten an die Polizei weiterleiten, würde dies zum unweigerlichen Verlust der Vertrauensbeziehung zu den Fans führen.

Diese Arbeitsgrundsätze werden von Seiten des Fanladen St. Pauli bereits seit über 16 Jahren aktiv und erfolgreich vertreten und sollten auch der Polizei bekannt sein.

Die Diskreditierung unserer Arbeit im Rahmen der zunehmenden ordnungspolitischen Einschränkung von Freiräumen für Fußballfans, wie sie derzeit im Umfeld des FC St. Pauli zu beobachten ist, gibt uns zu Befürchtungen Anlass, dass auch zukünftig mit einer Verhärtung der Fronten und einer Steigerung der Eskalation gerechnet werden muss:
mit Zunahme der repressiven Interventionen und der Missachtung der Arbeit des Fanprojekts werden unsere Handlungs- und Vermittlungsspielräume zwischen den am Fußball beteiligten Gruppen und Institutionen drastisch eingeschränkt.

Ein konstruktiver Austausch zwischen den Fanarbeitern und den Sicherheitskräften sowie eine gegenseitige Akzeptanz beider Arbeitsweisen sind uns daher grundsätzlich sehr wichtig. Leider mussten wir jedoch in der Vergangenheit mehrfach die Erfahrung machen, dass wir von Seiten der Polizei weder als gleichberechtigte DiskussionspartnerInnen noch mit unserer – teils notwendigerweise auch polizeikritischen – Expertenmeinung zur Fanszene des FC St. Pauli und den Ursachen jugendkulturellen Verhaltens entsprechend wahrgenommen und wertgeschätzt wurden.

In Anbetracht der gegenwärtigen Debatte um eine Zunahme der Gewalt in den unteren Ligen wurde sowohl von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte als auch von Seiten des DFB und der DFL als zuverlässigste Finanziers der Fanprojekte sowie von der Bundesregierung die Notwendigkeit zu differenzierten, angemessenen und anlassbezogenen Sicherheitskonzepten als auch die Stärkung von präventiver Jugendarbeit im Fußball betont. Besonders wurde dabei für eine sicherheitspolitische Entdramatisierung und für den Vorzug einer sachlichen Analyse unter Einbeziehung von notwendigen Freiräumen für und einem Dialog mit Fußballfans plädiert.

Ein polizeiliches Vorgehen, das die Prinzipien und die Unterschiedlichkeit der Aufgaben von Fanprojekten und Sicherheitsorganen nicht berücksichtigt, kann nicht akzeptiert werden, vor allem da es kontraproduktiv für das Erreichen der Ziele ist, die von allen beteiligten Institutionen (Politik, Sicherheitsorgane, Vereine und Jugendhilfe) bei der Einrichtung von Fanprojekten schriftlich festgelegt wurden.

Entsprechend erwarten wir von Seiten der Hamburger Polizei ein Umdenken in der Polizeistrategie und eine Anerkennung der Grundsätze von Fanprojektarbeit als wesentlichen Beitrag zum gemeinsamen Interesse: einem friedlichen Verlauf der Fußballereignisse. Die Handlungsweisen des Fanladens sollten folglich respektiert werden und nicht – wie geschehen – die Erfolge langjähriger Arbeit durch einseitige ordnungspolitische und repressive Schnellschüsse torpediert werden.
Friedfertige Heimspiele können nur durch ein Miteinander erreicht werden – in unbedingter Anerkennung bestehender Selbstregulierungsmechanismen innerhalb der Fanszenen und Strukturen von professioneller Fanarbeit. Auch auf bundesweiter Ebene zeigt sich übereinstimmend, dass überall dort, wo eine entsprechende Wertschätzung und eine Kooperation auf Augenhöhe, insbesondere zwischen Polizei und Fanprojekt, gegeben ist, auch spürbar bessere Zustände in den Fankurven in Bezug auf Gewalt und Rassismus festzustellen sind.

Bedauerlicherweise sehen wir nach den Vorfällen von letztem Freitag, nach den Entwicklungen der letzten Monate und den entsprechenden Äußerungen des Einsatzleiters derzeit keine Möglichkeit zu einer weiteren Kooperation mit der Hamburger Polizei, solange nicht der jüngste Einsatz von Seiten der Verantwortlichen uns gegenüber kritisch reflektiert und fehlerhafte Vorgehensweisen eingeräumt werden konnten. Ebenso halten wir es für unabdingbar, dass sich die besagten polizeilichen Stellen in Hamburg eingehender mit den spezifischen Aufgaben von Fanprojekten vertraut machen.
Entsprechend werden wir bis dahin die Teilnahme an den Sicherheitsbesprechungen vor Heimspielen aussetzen und gegenüber der Polizei auch für keinen weiteren Austausch zu aktuellen Entwicklungen und Ereignissen in der Fanszene des FC St. Pauli zur Verfügung stehen.

Ansonsten wird der Fanladen St. Pauli auch weiterhin seine kritische Arbeit mit und für die Fanszene des FC St. Pauli in der gewohnten Qualität fortsetzen. Zudem werden wir zukünftig die polizeilichen Einsätze rund um die Heimspiele des FC St. Pauli durch einen Anwalt als neutralen Beobachter begleiten, dokumentieren und anlassbezogen bewerten lassen.

Hamburg, 21.11.2006

Sollte es keine Antwort geben oder unsere Arbeit weiterhin ignoriert und missachtet werden, behalten wir uns andere Möglichkeiten des friedlichen Protestes vor.

 


 

 


 

 


 

Wir lassen uns die Meierei nicht nehmen!

 

Das unkommerzielle und selbstverwaltete Zentrum "Alte Meierei" in Kiel wird akut von der Stadt bedrängt.

...Mit einem Brief vom Ordnungsamt verließ die Stadt Kiel im März den abgesprochenen Weg, eine gemeinsame Lösung für den Fortbestand der Alten Meierei zu finden. In dem Schreiben wird der Antrag auf die Erteilung einer gaststättenrechtlichen Konzession abgelehnt. Veranstaltungen sind seitdem untersagt. Begründet wird die Entscheidung unter anderem damit, dass die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen nicht umgesetzt worden seien.

...Die aktuelle Entwicklung, die unweigerlich zur Schließung der Alten Meierei führen würde, ist nur durch starken öffentlichen Druck zu stoppen. Wir werden uns die Meierei nicht widerstandslos von heuchelnden und verlogenen PolitikerInnen nehmen lassen. Wir werden den Konflikt um die Meierei wieder auf die Straße tragen, und wir appellieren an eure Solidarität. Nur mit der Unterstützung aller Menschen, denen der Erhalt des unabhängigen, unkommerziellen und selbstverwalteten Projekts Alte Meierei am Herzen liegt, können wir den Kampf um die Meierei gewinnen. Deshalb ist es wichtig, dass ihr den aktuellen Stand der Dinge weiterverbreitet und auch auf euren Kanälen mithelft, den Druck auf die Stadt Kiel wieder zu erhöhen. Beteiligt euch an den Aktionen zum Erhalt der Meierei! Macht die Meierei zum Thema, wo immer ihr seid! Überlegt euch selbst Aktionen!

Terminankündigungen:

5. Mai, 17.00 Uhr, Vollversammlung, Alte Meierei

12. Mai: Aktionen zur Bauausschusssitzung, auf der über die Zukunft der Meierei entschieden wird. 
Näheres demnächst auf der Website der Alten Meierei: www.altemeierei.de

4. Juni, 13.00 Uhr Asmus-Bremer-Platz: Grosse Demo für den Erhalt der Alten Meierei

Tag M: Spontandemo am Samstag nach einem eventuellem Polizeieinsatz gegen die Alte Meierei, 12.00 Uhr Asmuss-Bremer-Platz

 


 

 


 

gegen diskriminierende und rassistische sprüche beim fc st. pauli

 

Wir sagen NEIN zu diskriminierenden und rassistischen Sprüchen!

"Votze, Schwuchtel, Nigger" - Sprüche dieser Art sind nicht nur unfassbar dumm, sie  verstoßen auch  gegen die Stadionordnung!
Greift ein, wenn Ihr Beleidigungen in Eurem Umfeld wahrnehmt oder wendet Euch an den Ordnungsdienst - Ihr seid nicht allein!
Der FC St. Pauli unterstützt alle Fans, die Zivilcourage zeigen und gegen solche Äußerungen aktiv vorgehen.
Wir wollen solche Sprüche nicht, nicht am Millerntor und auch nicht auswärts!
Sprücheklopfer bleibt zuhause, wir wollen Euch im Stadion nicht mehr sehen!

Keinen Fuß breit für Rassismus und Diskriminierung!

Eine Aktion der Delegiertenversammlung der eingetragenen Fanclubs des FC St. Pauli

 

Auszug aus der Stadionordnung

§6 Verbote 

Verboten ist den Besuchern weiterhin:  
a) Parolen zu rufen, die nach Art oder Inhalt geeignet sind, Dritte aufgrund ihrer/ihres Hautfarbe, Religion, Geschlechts oder sexuellen Orientierung zu diffamieren
b) Fahnen, Transparente, Aufnäher oder Kleidungsstücke zu tragen oder mitzuführen, deren Aufschrift geeignet ist, Dritte aufgrund ihrer/ihres Hautfarbe, Religion, Geschlechts oder sexuellen Orientierung zu diffamieren oder deren Aufschrift Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen zeigt  
c) Mit Gegenständen aller Art zu werfen
d) Außerhalb der Toiletten die Notdurft zu verrichten oder das Stadion in anderer Weise, insbesondere durch das Wegwerfen von Sachen, zu verunreinigen

§8 Zuwiderhandlungen

(1) Personen, die gegen die Vorschriften der Stadionordnung verstoßen, können ohne Entschädigung aus dem Stadion verwiesen und mit einem Stadionverbot belegt werden
(2) Besteht der Verdacht einer strafbaren Handlung oder einer sonstigen Ordnungswidrigkeit, so kann Anzeige erstattet werden.

 


 

gedenktafel für die opfer der nazidiktatur wird
im millerntorstadion eingeweiht

Hierzu laden wir die Hamburger Presse und alle interessierten Mitglieder und Fans des FC St. Pauli recht herzlich ein:

am Dienstag, den 09.11.2004 um 11.00 Uhr, Millerntorstadion – Südkurve


Zur feierlichen Einweihung werden sprechen:

- Corny Littmann, für das Präsidium des FC St. Pauli

- Traute Springer-Yakar, vom Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der AntifaschistInnen

- Roger Hasenbein, Fanclubsprecherrat der offiziellen Fanclubs des FC St. Pauli


Fanladen St. Pauli, Sprecherrat der organisierten Fanclubs des FC St. Pauli und Vereinsführung des FC St. Pauli wollen mit dieser Aktion den Opfern der Nazidiktatur gedenken, aber auch aktuell ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung setzen.

Der Text der Gedenktafel: „Zum Gedenken an die Mitglieder und Fans des FC St. Pauli, die während der Jahre 1933 bis 1945 durch die Nazi-Diktatur verfolgt oder ermordet wurden.“

Gerade in der heutigen Zeit mit den wachsenden Wahlerfolgen der rechtsradikalen Parteien, dem steigenden staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus und Antisemitismus wird es immer wichtiger den Opfern der Nazis nachhaltig zu gedenken und die Jahre 1933 bis 1945 nicht zu vergessen oder innerlich abzuhaken.

Der Termin der Einweihung wurde bewusst ausgewählt, denn im Rahmen der Reichspogromnacht wurde die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bürger oder politisch anders denkenden Menschen öffentlich und als „Volkszorn“ deklariert. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Angehörige von Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) zertrümmerten die Schaufenster jüdischer Geschäfte, demolierten die Wohnungen jüdischer Bürger und misshandelten ihre Bewohner. 91 Tote, 2.676 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete Geschäfte - das war die "offizielle" Bilanz des Terrors. Am 10. November wurden mehr als 30.000 männliche Juden in Konzentrationslager (KZ) verschleppt. Der FC St. Pauli und seine Fans engagieren sich seit Ende der 80er Jahre gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball. Als einziger Verein in Deutschland hat der FC St. Pauli eine dauerhafte Bande im Stadion mit dem Text „Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen“ installiert und sich am Fonds für die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter beteiligt. Mit Errichtung der Gedenktafel ist der FC St. Pauli wieder einmal der erste Verein, der öffentlich und in seinem Stadion den Verfolgten und Opfern der Nazizeit gedenkt.

Hamburg, den 05. November 2004

FC St. Pauli -Pressestelle-

 


 

 


 

gemeinsam gegen den nazi-aufmarsch am 31.1.04 vorgehen!

 

Vom 29. Januar bis zum 28. März 2004 wird in Hamburg die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" gezeigt. Gegen diese Ausstellung wollen am 31. Januar NPD und unabhängige Kameradschaften demonstrieren. In ihren Aufrufen leugnen sie nicht nur die Verbrechen der Wehrmacht, sondern sie beziehen sich darüber hinaus unverhohlen positiv auf den 31.01.1933, den Tag der Machtübertragung an Adolf Hitler.

Wir werden am 31.01., sowie an jedem anderen Tag, kein öffentliches Auftreten von Nazis in Hamburg und anderswo dulden.

Faschismus ist keine Meinung - sondern ein Verbrechen! 
Deutsche Täter sind keine Opfer!

gemeinsam gegen den nazi-aufmarsch am 31.1.04 vorgehen!

Antifaschistische Demonstration

31. Januar 2003, 11.00 Uhr, U-/S-Bahnhof Barmbek

 

Den Aufruf unterstützen (Stand 13.12.2003): Aktionsplenum Soziales Zentrum Norderstedt, Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AG/R), Antifa-Infotelefon Hamburg, Antifaschistische Aktion Hannover [AAH], Antifaschistische Aktion Harburg, Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen, AStA der HfbK am Lerchenfeld, Autonome Antifa Infernal [AAI] Berlin, Avanti – Projekt undogmatische Linke/Hamburg, Deutscher Freidenker-Verband e.V. / Ortsverband Hamburg, DKP Hamburg, Fanladen St. Pauli, Flüchtlingsrat Hamburg, Friedensinitiative Bergedorf, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V., Hamburgpunk.de, Hochschulantifa, Jugendwiderstand, juso-hochschulgruppe, Juso – LAK Gegen Rechts, Linksruck Hamburg, Koordinationskreis-Hamburg/Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, Landesarbeitsgemeinschaft Straßensozialarbeit Hamburg, Liste LINKS, PDS-LV Hamburg, PRO SANKT PAULI, Red Action Königswusterhausen, REGENBOGEN – Für eine neue Linke, Revolutionär Sozialistischer Bund /IV. Internationale (RSB) Hamburg, Rote Aktion Hamburg, SDAJ Hamburg, SJD – die Falken, [`solid] 36 - die sozialistische Jugend Kreuzberg, Sprecherrat der offiziellen Fanclubs des FC St. Pauli, St. Pauli Redside (Fanclub), ...

 

Die Demonstration unterstützen: Antifaschistische Aktion Rendsburg [AARD], BUKO (Bundeskoordination Internationalismus), Rotfuchs Förderverein e.V. - OG Hamburg, ver.di Betriebsgruppe Brief Hamburg Zentrum, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), Vorbereitungsgruppe Methfesselfest 2004

Links:
Hamburg gegen Nazis - die Mobilisierungsseite
Verbrechen der Wehrmacht - die Ausstellung
No Wehrmacht
Avanti - Projekt undogmatische Linke

 


 

ein fest der liebe statt willkür und hiebe

 

Die Vorfreude auf Weihnachten und die WM 2006 ist in diesem Land momentan groß, als Fußballfan hat man leider aber wenig Grund zur Freude. Gerade als Fan der Gastmannschaft wird man in diesem Land alles andere als ein Gast behandelt. „Freier Bürger? Nein, Fußballfan!“ lautet die Devise.

Ca. 500 Fußballfans demonstrierten am 06.12.2003 vor dem Spiel in Münster friedlich gegen die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Im Vorfelde der Partie Preußen Münster gegen St. Pauli wurde den Mitfahrern des Sonderzuges verboten, den Weihnachtsmarkt bzw. überhaupt die Stadt Münster (außerhalb des Bahnhofs und des Stadions) zu besuchen. Die Ankunftszeiten wurden von der Polizei bestimmt, Versuche eine Lösung zu finden, schlugen allesamt fehl bzw. führten zeitweilig sogar zu einer Verlegung des Spiels. Wenn nicht erst im Zug die Geschehnisse vor dem Spiel komplett bekannt geworden wären, wären nicht nur der Sonderzug aus Hamburg sowie einige befreundete Münsteraner Gruppen beteiligt gewesen: Es wären mehrere tausend Fans für Ihre Rechte auf die Straße gegangen.


Bild: rilbfhpa.de

Diese Aktion beweist, dass die Polizei Fußballfans wieder einmal zu Unrecht als Sicherheitsrisiko einstufte. St. Pauli und Münster Fans setzten sich gemeinsam, friedlich und legal für Ihre Rechte ein.

Zum Beispiel für ein Recht, sich in diesem Land bewegen zu wollen, wie man will. Ein Recht, welches im Grundgesetz fest verankert ist. Ein Recht, welches für alle Bürger dieses Staates gilt. Aber anscheinend nicht für Fußballfans!

PRO FANS St. Pauli


 

boykottiert das lehmitz!

mehr infos hier

 


 

genug ge(s)chilled - regierung stürzen!

 

Hallo St. Pauli-Fans,
seit Wochen gibt es in Hamburg Proteste gegen die rechte und ausgrenzende Politik des Schwarz-Schill-Senats. Die St. Pauli-Fanszene hat sich in vieler Hinsicht an den Protesten beteiligt. Viele Demos, gerade nach den Spielen, waren ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass diese Fanszene sich doch noch von anderen unterscheidet. Mannigfaltige Proteste inner- und außerhalb des Stadions haben klargemacht, dass St. Pauli-Fans sich entschieden gegen Schill und seine Politik stellen. Wir rufen Euch daher auf, Euch nach dem Spiel gegen Frankfurt an der Demonstration gegen Schill zu beteiligen. Das Spiel endet um 20.45 Uhr, und wir denken, dass diese zwei Stunden Einsatz nach Spielende jeder zeigen kann, um dem Rechtssenat entgegenzutreten. Auf eine machtvolle Demonstration, mit der auch die Fanszene des FC ein eindeutiges Zeichen gegen Rechtspopulismus und Ausgrenzung setzen kann. Auf geht's Leute! Wir, als politisch denkende Fanszene, sind in der Verantwortung - es geht auch ein bisschen um unsere eigene Identität.
Nach dem Spiel beginnt die Demo an der Feldstraße.
Voran St. Pauli - Fort mit Schill!


So steht es auf einem Flyer, der am Freitag beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Stadion verteilt wird. Wir wollen die Chance nutzen, auch über andere Medien ein paar weitere Worte an Euch zu richten. Blicken wir ein paar Wochen zurück. Der Schwarz-Schill-Senat ließ den Bauwagenplatz Bambule im Karoviertel, einen Steinwurf von unserem Stadion entfernt, räumen. Eine über viele Jahre geduldetet Lebensform passte auf einmal nicht mehr ins Bild der sauberen Stadt. Die Auslegung von gesellschaftlichen Normen von Seiten des rechtspopulistischen Innensenators Ronald Schill und seiner dumpfen Gefolgschaft bedroht viele Freiräume in Hamburg und steht für Ausgrenzung, Sozialabbau, Kapitalisierung vieler Lebensbereiche und die planlose Verlagerung von Problemen.

Schon sehr schnell ging es nicht mehr nur um die Bambule. Sehr schnell weiteten sich die Proteste aus und wurden große Anti-Schill-Demonstrationen. Wir als St. Pauli-Fans haben zu Beginn der Proteste eine große Unterstützung geliefert. Nach den Spielen, als Hamburgs Bürger auf den Straßen St.Paulis ihre Ablehnung gegen den Senat kundtaten, sah man unglaublich viele St. Pauli-Fans. Und auch sonst hat sich die St. Pauli-Fanszene gegen Schill und seine rechte Politik gestellt.

Über Weihnachten und den Jahreswechsel sind die Proteste verständlicherweise ein wenig eingeschlafen. Feiertage, klirrende Kälte, wenig Beteiligung und viele andere Faktoren konnten den ein oder anderen schon von der Teilnahme an den Demos abhalten. Doch nun geht es wieder los! Ultra' Sankt Pauli (USP) und die Passanten St. Pauli haben sich entschlossen, zu dieser Demonstration zu mobilisieren. Sofort erfuhren wir Unterstützung aus nahezu allen Bereichen der Fanszene. Wir rufen Euch hiermit alle auf, Euch der Demonstration nach dem Frankfurt-Spiel anzuschließen. Lasst uns diese Demonstration nutzen, um eine eindeutige Position einzunehmen. Eine Position, aus der wir Rechtspopulismus, Ausgrenzung und Sicherheitswahn eindeutig ablehnen und uns darauf besinnen, was diese Fanszene lange Zeit ausgemacht und sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist.

Vieles vom Mythos St. Pauli zerfällt in diesen Tagen, doch wir wollen uns dieses Stück Identität nicht nehmen lassen. Leute! Die Demo startet nach dem Spiel an der Feldstrasse, also direkt vor unserem Stadion und unseren Nasen. Lasst uns endlich wieder Farbe bekennen, endlich wieder die Identität dieses Stadtteil und dieser Fanszene prägen. Das Spiel endet um viertel vor neun, und die zweiten 90 Minuten des Abends sollten wirklich JEDER zu investieren bereit sein. Wie im Flyer bereits angedeutet: es geht auch um unser eigenes Selbstverständnis als tendenziell linke, weltoffene und tolerante Fanszene. Es ist an der Zeit, dass auch wir St. Pauli-Fans als Einheit auftreten. Wir rufen noch einmal alle auf: zeigt mit uns, den Bewohnern St. Paulis und Hamburgs, mit den Bewohnern der ehemaligen Bambule und allen anderen interessierten Menschen, was wir von Schill und seinen rechten Machenschaften halten.

GENUG GE(S)CHILLED - REGIERUNG STÜRZEN!

ULTRA' SANKT PAULI
PASSANTEN ST. PAULI
SÜDZECKEN ST. PAULI
ÜBERSTEIGER
AGiM
SPRECHERRAT DER OFFIZIELLEN FANCLUBS DES FC ST. PAULI

 


 

fare-aktionswoche gegen rassismus und diskriminierung im fußball

 

Vom 17. bis 28. Oktober 2002 fand die dritte europaweite Aktionswoche des Netzwerkes Football Against Racism in Europe - FARE statt, für Deutschland mitorganisiert vom Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF).

Fans, MigrantInnenorganisationen und Fußballvereine schlossen sich zusammen, um Rassismus und Diskriminierung in und rund um Fussballstadien zu bekämpfen - von Norwegen bis Mazedonien und von Polen bis Portugal. Mit dabei sind Klubs wie Arsenal London, Manchester United, FC Schalke 04 oder FC Bologna. Erstmals werden auch Aktionen gegen Homophobie im Fußball forciert.

In der Halbzeit des Heimspiels gegen Eintracht Trier am 27.10.2002 gingen vier aus dem B-Mädchen-Team mit einem, extra für diesen Anlass produzierten, Transparent mit der Aufschrift „St. Pauli-Fans against Discrimination and Racism“ um den Platz.

St. Pauli - Trier

 


 

gegen dumme sprüche!

 

Gegen blöde Sprüche

Wer "Untermensch" brüllt, gerät in Konflikt mit der Stadionordnung – und hoffentlich bald mit noch mehr Fans

Millerntor, 12. August. Gerade ist das 1:0 für Rostock gefallen. Grund genug für vier Personen, Schiedsrichter und Hansa-Spieler im 30-Sekundentakt als "Fotzen" zu beschimpfen. Doch kurz bevor ich mich an die vier wenden wollte, erlöste mich der Halbzeitpfiff. Nach der Pause blieb es nicht lange bei den "Fotzen"-Beschimpfungen. Vielmehr titulierte man die Rostocker jetzt als "Juden", "Ausländerscheiße" und "Untermenschen". Das war zu viel: Ich drehte mich um und machte klar, dass solche Worte am Millerntor nicht nur ungern gesehen werden, sondern auch nach der Stadionordnung verboten sind. Dass ich mir jetzt allerdings meinerseits Beschimpfungen anhören musste, vermieste mir nun endgültig die Stimmung, zumal ich keine Unterstützung durch Umstehende erfahren habe.
Zu Hause angekommen, stellte ich das Erlebte ins St. Pauli-Forum. In den nächsten Wochen stellte sich heraus, dass auch andere Fans rassistische Schimpfworte unter den Stadionbesuchern wahr genommen hatten. Grund genug, eine Faninitiative gegen solche Sprüche ins Leben zu rufen, die sich am 15. Oktober zum ersten Mal traf. Relativ schnell wurde beschlossen, es nicht bei einer einmaligen Aktion wie im letzten Jahr zu belassen, sondern längerfristig etwas gegen die Doofköppe zu tun. Erstes Ergebnis sind die Schilder an den Aufgängen, die die Faninitiative gestaltet und zusammen mit dem Verein an den Aufgängen im Stadion installiert hat. Weiterhin haben wir uns bewusst dagegen entschieden, "Störenfriede" durch verstärkten Ordnereinsatz aus dem Stadion zu schmeißen. Vielmehr hoffen wir auf die Selbstreinigungskräfte bei den Fans. Zögert also nicht, die Leute direkt anzusprechen, wenn diese rassistisch, sexistisch oder anders diskriminierend gröhlen. Sucht euch umstehende Fans, die euch dabei unterstützen. Ihr verhindert nicht nur, dass bestimmte Gruppen verunglimpft werden, sondern garantiert damit auch, dass alle Stadionbesucher weiterhin Spaf daran haben werden, zum FC St. Pauli zu gehen.

Kay Markschies, "Faninitiative gegen blöde Sprüche"

Die Aktion wird unterstützt vom Sprecherrat der St. Pauli-Fanclubs, dem Vorstand, sowie hoffentlich möglichst vielen Einzelpersonen im Stadion und Umfeld.

(Quelle: 1/4 NACH 5 - Februar 2002)

 

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In diesem Zusammenhang kann im folgenden die komplette Stadionordnung des Millerntor-Stadions nachgelesen werden.


Stadionordnung

Fassung vom 01.01.2006

§1 Geltungsbereich

Diese Benutzungsordnung gilt für die umfriedeten Versammlungsstätten und Anlagen des
Millerntor-Stadions

§2 Widmung

(1) Das Stadion dient vornehmlich der Austragung von Fußballspielen und der Durchführung von Großveranstaltungen mit überregionalem oder repräsentativem Charakter.
(2) Ein Anspruch der Allgemeinheit auf Benutzung der Versammlungsstätten und der Anlagen des Stadions besteht nicht.
(3) Die im Einzelfall abzuschließenden Verträge über die Benutzung des Stadions richten sich nach bürgerlichem Recht.

§3 Aufenthalt

(1) In den Versammlungsstätten und Anlagen des Millerntor-Stadions dürfen sich nur Personen aufhalten, die eine gültige Eintrittskarte oder einen sonstigen Berechtigungsausweis mit sich führen oder die ihre Aufenthaltsberechtigung auf eine andere Art nachweisen können. Eintrittskarten und Berechtigungsausweise sind innerhalb der Stadionanlage auf Verlangen der Polizei oder des Kontroll- und Ordnungsdienstes vorzuzeigen.
(2) Zuschauer haben den auf der Eintrittskarte für die jeweilige Veranstaltung angegebenen Platz einzunehmen.

§4 Eingangskontrolle

(1) Jeder Besucher ist bei dem Betreten der Stadionanlage verpflichtet, dem Kontroll- und Ordnungsdienst seine Eintrittskarte oder seinen Berechtigungsausweis unaufgefordert vorzuzeigen und auf Verlangen zur Überprüfung auszuhändigen.
(2) Der Kontroll- und Ordnungsdienst ist berechtigt, Personen - auch durch den Einsatz technischer Hilfsmittel – daraufhin zu untersuchen, ob sie aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum oder wegen des Mitführens von Waffen oder von gefährlichen oder feuergefährlichen Sachen ein Sicherheitsrisiko darstellen. Die Untersuchung erstreckt sich auch auf mitgeführte Gegenstände.
(3) Personen, die ihre Aufenthaltsberechtigung nicht nachweisen können und Personen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, sind zurückzuweisen und am Betreten des Stadions zu hindern. Ein Anspruch der zurückgewiesenen Besucher auf Erstattung des Eintrittsgeldes besteht nicht.

§5 Verhalten im Stadion

(1) Innerhalb der Stadionanlagen hat sich jeder Besucher so zu verhalten, daß kein anderer geschädigt, gefährdet oder – mehr als nach den Umständen vermeidbar – behindert oder belästigt wird.
(2) Die Besucher haben den Anordnungen der Polizei, der Feuerwehr, des Kontroll-, des Ordnungs- und des Rettungsdienstes sowie des Stadionsprechers Folge zu leisten.
(3) Aus Sicherheitsgründen und zur Abwehr von Gefahren sind die Besucher verpflichtet, auf Anweisung der Polizei oder des Kontroll- und Ordnungsdienstes andere Plätze als auf ihrer Eintrittskarte vermerkt – auch in anderen Blöcken – einzunehmen.
(4) Alle Auf- und Abgänge sowie die Rettungswege sind freizuhalten.

§6 Verbote

(1) Den Besuchern des Stadions ist das Mitführen folgender Gegenstände untersagt:
a) Waffen aller Art
b) Sachen, die als Waffen oder Wurfgeschosse Verwendung finden können
c) Gassprühdosen, ätzende oder färbende Substanzen
d) Flaschen, Becher, Krüge oder Dosen, die aus zerbrechlichem, splitterndem oder besonders hartem Material hergestellt sind
e) sperrige Gegenstände wie Leitern, Hocker, Stühle , Kisten, Reisekoffer
f) Feuerwerkskörper, Leuchtkugeln und andere pyrotechnische Gegenstände
g) Getränke aller Art
h) Tiere
i) Laserpointer
(2) Verboten ist den Besuchern weiterhin:
a) Parolen zu rufen, die nach Art oder Inhalt geeignet sind, Dritte aufgrund ihrer/ihres Hautfarbe, Religion, Geschlechts oder sexuellen Orientierung zu diffamieren
b) Fahnen, Transparente, Aufnäher oder Kleidungsstücke zu tragen oder mitzuführen, deren Aufschrift geeignet ist, Dritte aufgrund ihrer/ihres Hautfarbe, Religion, Geschlechts oder sexuellen Orientierung zu diffamieren oder deren Aufschrift Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen zeigt
c) Kleidungsstücke zu tragen oder mitzuführen, deren Herstellung, Vertrieb oder Zielgruppe nach allgemein anerkannter Ansicht im rechtsextremen Feld anzusiedeln sind.
d) Nicht für die allgemeine Benutzung vorgesehene Bauten und Einrichtungen, insbesondere Fassaden, Zäune, Mauern, Umfriedungen der Spielfläche, Absperrungen, Beleuchtungsanlagen, Kamerapodeste, Bäume, Masten aller Art und Dächer zu besteigen oder zu übersteigen.
e) Bereiche, die nicht für Besucher zugelassen sind (z.B. das Spielfeld, den Innenraum, die Funktionsräume), zu betreten
f) Mit Gegenständen aller Art zu werfen
g) Feuer zu machen, Feuerwerkskörper oder Leuchtkugeln abzubrennen oder abzuschießen
h) Ohne Erlaubnis Waren und Eintrittskarten zu verkaufen, Drucksachen zu verteilen und Sammlungen durchzuführen
i) Bauliche Anlagen, Einrichtungen oder Wege zu beschriften, zu bemalen oder zu bekleben
j) Außerhalb der Toiletten die Notdurft zu verrichten oder das Stadion in anderer Weise, insbesondere durch das Wegwerfen von Sachen, zu verunreinigen

§7 Haftung

(1) Das Betreten und Benutzen des Stadions erfolgt auf eigene Gefahr. Für Personen- und Sachschäden, die durch Dritte verursacht wurden, haftet der FC St. Pauli nicht.

§8 Zuwiderhandlungen

(1) Personen, die gegen die Vorschriften der Stadionordnung verstoßen, können ohne Entschädigung aus dem Stadion verwiesen und mit einem Stadionverbot belegt werden
(2) Besteht der Verdacht einer strafbaren Handlung oder einer sonstigen Ordnungswidrigkeit, so kann Anzeige erstattet werden.
(3) Verbotenerweise mitgeführte Sachen werden sichergestellt und – soweit sie für ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren nicht benötigt werden – nach dem Wegfall der Voraussetzungen für die Sicherstellung zurückgegeben
(4) Die Rechte des Inhabers des Hausrechts bleiben unberührt

 


 

aktionen gegen rassismus und sexismus

 

Beim Heimspiel gegen Nürnberg am 14.12.2000 wurden vier verschiedene Flugblätter verteilt sowie in der Halbzeit ein Transparent auf den Rasen getragen, um auf diffamierende Äußerungen aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung aufmerksam zu machen, die leider auch verstärkt am Millerntor auftreten.

Die Aktionen wurden organisiert und durchgeführt von: AgiM, Übersteiger, AFM, Fanladen, Kopfschuss.de, Kiezkicker.de, Nachgetreten, BallKult e.V., Splitter, Couragierte Bürger, Fan-Club-Sprecherrat, FC St. Pauli, "pauli" und etlichen unorganisierten Fans.

St. Pauli - Nürnberg
Bild: stadionwelt.de

Flyer Am Millerntor gibt es keinen Rassismus!